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Bis heute morgen hielt ich Robert Habeck für den spannendsten Politiker, den Deutschland zu bieten hat. Für einen, der frischen Wind reinbringen kann, der anders denkt und handelt.

Und dann – hat der Grünen-Vorsitzende gebloggt. 

„Bye, bye twitter und Facebook“ ist der Artikel (den Habeck selbst als „Blog“ bezeichnet, was ja nicht von Digitalkompetenz zeugt) überschrieben. Darin verkündet er seinen Abschied aus dem Social Web. Und wie er das tut, mit welcher Begründung, das hat meine Habeck-Hoffnung implodieren lassen.

Die Vorgeschichte: Habeck hat ein Video veröffentlicht, aus der Hand geschossen, möglicherweise mit einem Handy. Und darin sagt er: „Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land.“

Ja, wird. Als ob es da nicht schon ist. Das ist, seien wir ehrlich, eine dämliche Formulierung. Nach Vor der Bayern-Wahl lieferte er einen ähnlichen Fehltritt, damals sagte er in einem Video: „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern“

(In den Kommentaren wies Wolf mich auf meinen Fehler hin – Danke dafür. Danke auch für den Hinweis, dass Habecks Patzer nicht Grünen nicht an massiven Stimmengewinnen in Bayern gehindert hat.)

Nun schreibt Habeck:

„Nach einer schlaflosen Nacht komme ich zu dem Ergebnis, dass Twitter auf mich abfärbt. Dass ich mich bei beiden Videos, auch dem Bayrischen –unbewusst auf die polemische Art von Twitter eingestellt habe. Twitter ist, wie kein anderes digitales Medium so aggressiv und in keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze. Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen. Offenbar bin ich nicht immun dagegen.“

Und damit noch Pseudoaktualität reinkommt verschwurbelt er sich zu diesem:

„Und da der Datenklau, der die persönlichsten Gespräche zwischen mir und meiner Familie jetzt auf alle Rechner der deutschen Tageszeitungen und jede Menge rechter Medien gebracht hat, maßgeblich über Facebook erfolgte, lösche ich meinen bei Facebook auch. Beide werde ich abschalten.“

Auch hier: Die Plattform ist schuld – natürlich nicht der Nutzer Habeck, der mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Zugänge nicht ausreichend schützte.

Dieser Logikschluss ist der Denktiefe Habecks nicht würdig. Er selbst verhaspelt sich – und der Dienst  ist schuld? Ist es nicht vielmehr sein Team, das glaubt, wackelige Handy-Videos seien „authentisch“ und unbedingt nötig?

Vor allem: Was soll man von einem Politiker halten, der sich schon von Twitter derart treiben lässt? Wie wird der sich zum Beispiel als Minister, gar als Kanzler, verhalten, wenn die mediale Berichterstattung in einer Krisensituation so richtig losgeht, während gleichzeitig die Anspruchsgruppen seines Tätigkeitsfeldes auf ihn einreden?

Bild: Olaf Kosinsky (wikiberatung.de)
Lizenz: CC BY-SA 3.0
via Wikimedia Commons

Robert Habeck verhält sich so, wie es das deutsche Bildungsbürgertum seit 20 Jahren tut. Dieses ganze Digitalzeugs ist schwer, macht Arbeit, konfrontiert einen mit Personen außerhalb der eigenen Filterblase. Das ist anstrengend. Und deshalb mag man nichts damit zu tun haben, „ich bin nicht auf Facebook“, „mein Kind kriegt kein Handy“.

Mit dieser Einstellung haben die liberalen Demokraten in Deutschland der AFD den wichtigsten Debattenort unserer Zeit überlassen: das Social Web. Hier können sie schalten und walten und in der Mitte neue Wähler abgraben. Erinnert sei nochmals an jene OECD-Studie aus dem Jahr 2014, in der Deutschland das einzige untersuchte Land war, in dem der durchschnittliche Bildungsgrad von Social Media-Nutzern unterhalb des durchschnittlichen Bildungsgrades der Bevölkerung war.

Was wir brauchen, sind Kämpfer für jene liberale Demokratie. Habeck mag kein solcher sein und das ist sehr, sehr traurig.

Natürlich: Auf den Vorsitzenden einer Partei strömt mehr Negatives, mehr Hass ein, als auf uns Normalmenschen. Deshalb aber hat ein Mann wie Habeck auch ein Team, das solche Accounts betreut. Noch immer glauben aber viele Politiker, das Social Web sei so was, was man nebenher machen könnte. Wichtiger sind ihnen Bierzelte, Talkshows und Marktplatzbühnen. Dort aber wird nicht debattiert – es wird gesendet.

Tatsächlich ist in einer Zeit, da der Diskurs mit den politischen und medialen Eliten so wichtig ist, wie nie zuvor, das Social Web praktisch der einzige Weg, um mit Politikern reden zu können. Wo soll man es denn sonst tun? Wenn der große Habeck mal zufällig in der Stadt ist – und dann vordrängeln, Ellenbogen raus, das um ein Autogramm ersuchende Kind wegkicken, soll das Blag doch mal den Ernst des Lebens kennenlernen?

Wer Kontakt zu Politikern haben möchte, wird zum Bittsteller, er muss sich deren Restriktionen unterordnen. Inzwischen sind selbst Bürgersprechstunden von Bundestagsabgeordneten eine Seltenheit. Selbst wenn sie stattfinden, dann schön zu Tageszeiten – wer seinen MdB sprechen will, soll gefälligst Urlaub nehmen, wenn er zum arbeitenden Teil der Bevölkerung gehört (meinen Versuch aus dem Jahr 2007 lesen Sie hier).

War da nicht was mit Politiker sind Diener der Wähler? Ach Quatsch, das ist so gestrig – und dann wundern sich Volksvertreter über den Ton, der ihnen entgegenschwappt. Dabei ist er nur logische Folge ihres Handelns. Denn je weniger ich einen Menschen kenne, desto eher bin ich bereit, ihn aggressiv anzugehen oder gar zu beleidigen. Je eher er mir mit persönlicher Kommunikation begegnet, desto ruhiger wird der Ton, selbst wenn er zunächst aufgeheizt ist.

Hinzu kommt: Über 90 Prozent der Kommunikation im Social Web sind neutral bis positiv, es gibt so viel häufiger Flauschstürme als Shitstorms. Twitter ist kein Hort der Aggression, sondern ein Ort des Lachens, Liebens, der Kreativität und der Bürgerrechte. Nehmen wir als Demonstration dieser These doch nur die drei Hashtags, die bei den Goldenen Bloggern als „Hashtag des Jahres“ nominiert sind:

#KunstgeschichtealsBrotbelag

#wirsindmehr

#SexoderWeihnachtsmarkt

In dem Moment, da ich dies schreibe, versucht eine saudische Teenagerin verzweifelt, vor ihrer Familie zu fliehen – und ihre einzige Unterstützung ist Twitter. Auch das ist das Social Web, es wird aber gern vom deutschen Bildungsbürgertum ignoriert.

„WIR SIND MEHR!“, skandieren die kämpfenden Demokraten im Social Web. „Ich bin angestrengt“, piepst Habeck zurück.

Die richtige Herangehensweise wäre gewesen, seine eigene Zeit am Bildschirm zu beschränken. Das erfordert Selbstdisziplin – doch wenn Habeck die nicht hat, ist Politik vielleicht das falsche Betätigungsfeld, um ehrlich zu sein.

Und dann sollte er seine Accounts übertragen an ein Team, das für ihn filtert, verwaltet und dort reagiert, wo es sinnvoll erscheint. Wenn dies professionell passiert, entsteht einerseits ein echter Debattenkanal – andererseits ein Kommunikationsweg für Bürger.

Denn wie sollen die sonst an ihn ran? Sie können ihm eine Mail schreiben.

Sein „Blog“ erlaubt keine Kommentare, obwohl Kommentarmoderation in einem Blog heute keinen spektakulären Aufwand mehr erfordern. Es gehört dann schon zur ironischen Wendung dieses traurigen Vorgangs, dass jene Blogartikel aber im Social Web verteilt werden können.

Die frohe Botschaft soll geteilt werden, doch der Autor mag dies nicht tun – das ist das Gegenteil von politischer Kommunikation für das 21. Jahrhundert.

Foto: Dennis Williamson, www.williamson-foto.de

Nachtrag vom 10.1.19: Ich habe Robert Habecks Büro über die Mailadresse auf seiner Homepage einen Link zum Artikel geschickt. Reaktion: null. Nun muss er sich inhaltlich nicht äußern. Dass aber nicht einmal ein standardmäßiges „Vielen Dank für Ihre Mail, bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht auf jede Zuschrift reagieren können…“ zurückkommt – das ist nicht zeigemäß. Was wieder die Frage aufwirft: Wie soll man denn einen Politiker erreichen?


Kommentare


SlowFox 7. Januar 2019 um 19:33

"das Social Web [ist] praktisch der einzige Weg, um mit Politikern reden zu können"

Praktisch gibt es *gar* keinen Weg für den Normalbürger, mit Politikern jenseits der Bezirksebene sinnvoll zu reden. Kann es auch gar nicht geben, denn sonst hätten diese Politiker nichts anderes mehr zu tun, das geht sich rein zeitmäßig ja nicht aus.

Social Media vermitteln allerdings – sehr gut – die *Illusion*, mit Politikern auf Augenhöhe reden zu können. Und auch wenn das eine Illusion ist, man muss sie momentan wohl bedienen, weil das so erwartet wird, und weil es andere tun.

Antworten

Habeck: Alles richtig gemacht. – Nerdcore 8. Januar 2019 um 9:28

[…] „Experten“ bescheinigen ihm darauf Rückwärtsgewandtheit und Feigheit, exemplarisch hier mal Thomas Knüwer. Nichts könnte weniger […]

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Wolf 8. Januar 2019 um 9:41

Kleine Korrektur: Habecks Bayern-Aussage erfolgte kurz vor der Landtagswahl, nicht danach. Er habe angesichts der für die CSU verheerenden Umfragewerte vorausgesagt, dass ihre Alleinherrschaft beendet werde. Einen Tag vor dem Wahltermin habe er sich laut Berichterstattung (der Tweet ist ja nicht mehr auffindbar) dafür entschuldigt.

Finde ich insofern interessant, als die Grünen dann ja ihren Stimmenanteil dennoch mehr als verdoppelt haben.

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H. Schmidt 8. Januar 2019 um 10:35

Sehr geehrter Herr Knüwer,
ich glaube, Sie unterliegen da einer fundamentalen Fehleinschätzung über Hintergründe und, man muss es so sagen, Abgründe sogenannter sozialer Netzwerke, die in Ihrem Satz "Auch hier: Die Plattform ist schuld – natürlich nicht der Nutzer Habeck, der mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Zugänge nicht ausreichend schützte." zum Ausdruck kommt. Sie glauben wirklich, dass der Nutzer – hier Herr Habeck – die Hoheit über seine Daten hat, und zwar auch die Hoheit über die Verbreitung und Verwendung dieser Daten? Da will ich Ihnen einen kleinen Denkanstoß geben:
Facebook kennt mich. Facebook hat Daten von mir. Wie viele und welche, weiß ich nicht wirklich, denn die Datenkrake Facebook gibt sich, wenn es darum geht, Betroffenen berechtigte Auskunft über die Verwendung ihrer Daten zu geben, ignorant, arrogant und zugeknöpft. Meine Versuche, da mehr zu erfahren, verliefen jedenfalls ergebnislos. Zumindest weiß ich, dass Facebook weiß, wer meine Freunde sind (oder die es dafür hält), kennt meine E-Mail-Adresse(n), meinen Namen, hat Fotos von mir, und wer weiß, was noch alles. Und so bekam ich immer wieder Einladungen von Facebook geschickt, denn, so Facebook, meine "Freunde" seien ja auch alle da.

Und nun sage ich Ihnen was: Ich war niemals bei Facebook registriert. Nie! Ich hatte dort nie einen Account.

Und es hat mich viele Beschwerdeschreiben an die Ignoranten von Facebook und mehrere Monate Zeit gekostet, dass wenigstens die Werbemails von Facebook abgestellt wurden und ich keine Einladungen mehr bekam. Der Knüller war – als ich Facebook erklärte, dass ich keinen Account habe und auch niemals einen haben werde, und deshalb auch nicht angeworben werden will, teilte man mir mit, ich könne die Zusendung von Mails ganz einfach in meinem Account deaktivieren. Was sagt Ihnen dieses Beispiel? Mir sagt es, dass Beschwerden gar nicht gelesen werden, sondern von Computern ausgewertet, nach Stichworten gefiltert werden und diese dann entsprechende Textbausteine ausspucken. Oder sie werden von Idioten gelesen. Meine Forderung, mir umfänglich Auskunft über die über mich gespeicherten Daten zu geben, blieb natürlich unbeantwortet.

Ich denke, wer glaubt, man habe eine wie auch immer geartete Hoheit über seine Daten in sogenannten sozialen Netzwerken wie Facebook, der täuscht sich. Facebook ist kein Samariter-Verein, der Nutzern selbstlos ein Netzwerk quasi schenkt. Facebook ist ein Unternehmen, das Gewinne erwirtschaften will. Womit tut Facebook das, wenn nicht mit den Daten der Nutzer? Und inzwischen dürfte wohl auch in der hintersten Ecke angekommen sein, dass den Verlautbarungen aus dem Hause Facebook eher nicht geglaubt werden sollte, und dass Facebook mit Sicherheit keine ehrliche und erschöpfende Auskunft über die im Hintergrund laufenden Prozesse der Auswertung und Weitergabe der Nutzerdaten gibt.

Ich denke daher, Herr Habeck macht es richtig. Je mehr Menschen sich von Facebook und Co. abwenden, desto besser für alle. Denn das ist genau das, was Facebook und Co. nicht brauchen können, dass ihnen nämlich die Nutzer weglaufen. Also jene, die mit der Eröffnung eines Accounts diese Unternehmen überhaupt erst so groß und mächtig gemacht haben und natürlich auch eine Mitschuld an der ganzen Entwicklung rund um den Missbrauch von Daten haben. Da schließt sich der Kreis wieder.

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Thomas Knüwer 8. Januar 2019 um 12:01

@H. Schmidt: Sie vermischen hier einiges und ich kann Ihnen nur bedingt recht geben. Natürlich verstehe ich Ihre Situation. Aber: Aufgrund der DSGVO hat jeder Nutzer die Chance zu erfahren, welche Daten gespeichert wurden.

Niemand bestreitet, dass Social Networks gewinnorientierte Unternehmen sind. Daran finde ich – und vielleicht unterscheidet uns dies – auch nichts schlimmes. Ich bin bekennender Marktwirtschaftler und bin froh, dass gewinnorintierte Unternehmen Menschen Arbeitsplätze bringen.

Gewinne wurden immer schon über Daten erzielt – selbst in Vor-Internet-Zeiten. Beispiel: Gehobene Restaurants und Hotels führten Bücher, in denen Portiers und Maitre d‘ notierten, welche Vorlieben ihre Stammgäste haben. Diese bekamen dann eine bessere Leistung.

Dieses Uralt-Beispiel lässt sich so auf die heutige Zeit übertragen: Daten gegen Leistung – zum Beispiel gegen die Nutzung eines Kommunikationsdienstes. Genau das wissen die Menschen auch. Ich finde es problematisch, wenn Sie Menschen Naivität oder Unwissen in diesem Punkt vorwerfen. Die Menschen wissen ganz genau, dass die Nutzung kostenloser digitaler Dienste durch ihre Daten ermöglicht werden, die genutzt werden um etwas (verzeihen Sie die Ironie) sehr böses zu tun: gezielte Werbung anzeigen. Denn darüber reden wir. Werbung. Es mag sein, dass Sie lieber ungezielte Werbung erhalten, ich persönlich finde es aber schön, auf Produkte, Leistungen oder Veranstaltungen hingewiesen zu werden, die mich interessieren könnten – wenn die Alternative Hinweise auf dergleichen sind, die mich mutmaßlich nicht interessieren.

Anscheinend denken sehr viele Menschen so, deshalb ist das Social Web das wichtigste Kommunikations- und Debattenforum unserer Zeit geworden. Womit wir bei Politikern wären. Habeck als Privatperson bleibt es unbenommen, analog zu bleiben. Durch seine politische Aktivität aber ist er keine Privatperson, er will Verantwortung übernehmen. Und in diesem Rahmen halte ich es für falsch, sich der Debatte zu entziehen.

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Maria Weber 16. Januar 2019 um 9:28

Hallo Herr Knüwer,
bezugnehmend auf Ihre Argumentation mit Herrn Schmidt oben, würde mich Ihre Meinung zu folgendem Gedanken interessieren:
Eine Kernfrage der Debatte: Social Media Kanäle sind inzwischen für Debattenkultur relevant – nicht die einzigen Medien dafür, aber so weitreichende Medien, dass PolitikerInnen über diese Kanäle Dialog führen können, wenn ich Sie richtig verstehe, Ihrer Meinung nach auch führen sollten. Der Datensammlung, die die Dienste generieren, zeigen Sie sich unkritisch gegenüber, Sie argumentieren hier marktwirtschaftlich.
Nun lässt sich aber argumentieren, dass sowohl die überdimensionierten Gewinne durch Datensammlung als auch ihre Auswirkungen gerade auf demokratische Prozesse nicht unbedenklich sind (Stellvertretende Stichworte a. Steuerabgaben/Soziale Ungleichheit, b. Wahlbeeinflussung).
Insofern erscheint es mir zu kurz argumentiert, mit dem Verweis auf die Handhabe des Einzelnen (Kontosicherheit und DSGVO) und dem Verweis auf Marktfreiheiten, die Vorsicht und Kritik gegenüber den sozialen Diensten zu kontern. (Die Dienste könnten ja auch eine kostenpflichtige Version anbieten, die auf die Sammlung von Daten verzichtet und eine kostenfreie, die dafür Daten sammelt. Dann läge es wirklich in der Hand der Nutzer und nicht nur dem Namen nach.)
Die Einseitigkeit einer Argumentation, die social media durchweg als vor allem demokratiefördernd darstellt, zuungunsten der Tatsache, dass sie für demokratiegefährdende Prozesse ebenso in Anschlag gebracht werden, sollte m.E. diskutiert werden..
Wie lautet Ihre Meinung dazu?

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Thomas Knüwer 16. Januar 2019 um 18:55

@Maria Weber: Vielen Dank erstmal für Ihren Kommentar.

Datensammlung: Da bin ich nicht unkritisch, aber entspannt. Den was passiert denn tatsächlich bei dieser Datensammlung? Faktisch reden wir hier vom Ausspielen gezielter Werbung – alles andere sind dystopische Versionen, die ich nicht teile. Ich persönlich bekomme auch viel lieber gezielte Werbung als ungezielte. Viel problematischer finde ich jene Datensammlung und -weitergabe, von der ich nichts mitbekomme. Beispiel: Über Jahrzehnte gehörten Verlage zu den größten Datenhändlern dank des Listenprivilegs. Und auch weiterhin verkaufen Kommunen massenhaft Adressdaten. Dies ist für mich viel problematischer als Dienste, die ihr Geld damit verdienen, von mir freigegebene Daten zu Nutzen. Und nein: Facebook wird niemals Daten verkaufen, da wären die mit dem Klammerbeutel gepudert.

Steuern: Ganz schwieriges Thema. Auf Daten basierende Geschäftsmodelle werden aktuell nicht hinreichend besteuert. Allerdings halte ich wenig von irgendwelchen Prozentzahlen vom Umsatz, meist ohne weitergehende Betrachtung, mit denen jene Geschäftsmodelle nun belegt werden. Was wir tatsächlich brauchen, sind Neudefinitionen dessen, was besteuert werden soll (das gilt genauso übrigens für Kartell- und Monopoldiskussionen). Ich halte es nicht für zielführend, stark veränderte Situationen mit alten Denkweisen anzugehen.

Soziale Ungleichheit: Zunächst einmal sollten wir festhalten, dass die Ungleichheit in der Bevölkerung insgesamt noch nie geringer war. Ja, unpopuläre Meinung, aber dafür gedeckt durch Daten. Wir sollten auch festhalten, dass Armut heute eine ganz andere Bedeutung hat. In meiner Kindheit bedeutete Armut beispielsweise Wohnungen ohne Toiletten und mit unzureichender Heizung. Das hat sich geändert. Was neu ist, ist eine Kaste der Superreichen. Auch mit denen habe ich keine Problem. Jeder darf so viel Geld haben, wie er möchte, so lange er es rechtskonform verdient. Gefährlich wird es nur, wenn diese Superreichen einen privilegierten Zugang zur Macht haben oder sogar politische Macht ausüben.

Wahlbeeinflussung: Ich halte es für zu kurz gesprungen zu glauben, dass Trump die Wahl durch das Social Web gewonnen hat. Das ist eine leicht zu glaubende Erklärung, bei der man sich nicht mit der Komplexität der amerikanischen Realität beschäftigen muss. Zu der gehört ein disfunktionales Rechtssystem (hören Sie bitte die schwer zu ertragende, dritte Staffel des Podcasts "Serial"), eine Drogenkrise im weißen Mittelstand und die Tatsache, dass 10% der Supermarktumsätze durch Food Stamps reinkommen.
Auch wissenschaftlich ist die Situation nicht so simpel. Hierzu empfehle ich die Studie "Social Media and Fake News in the 2016 Election" von Allcot/Gentzkow. Sie sieht keine hinreichenden Grund zu glauben, dass Fake News der entscheidende Faktor für Trumps Wahlsieg waren.
Das wäre auch überraschend, schließlich gibt es einen psychologisch interessanten Faktor: Nicht nur suchen wir Menschen nach Informationen, die uns bestätigen – Informationen, die uns widerlegen bekräftigen uns oft in der vorhandenen Meinung. Somit könnten Fake News auch das Gegenteil dessen erreichen, was sie scheinbar wollen.
Gefährlicher ist das, was Allcot/Gentzkow stattdessen konstatieren: Fake News tragen zur Polarisierung der Gesellschaft bei, nicht zur Verschiebung von Meinungen. Hier sehe ich eine echte Gefahr für das gesellschaftliche Klima.

Der können wir aber nur mit Dialog begegnen. Deshalb ist Ihre Idee von kostenpflichtigen Diensten aus meiner Sicht nicht zielführend. Denn das Social Web ist nur deshalb so bedeutend, weil sich hier Menschen aller Schichten treffen können. Dies würde nicht der Fall sein, müssten die Dienste bezahlt werden: Hier hätten wir dann eine soziale Ungleichheit, weil die Wohlhabenden mitreden könnten – die anderen aber nicht.

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Walter Sobchak 8. Januar 2019 um 12:50

Definieren Sie bitte "blog". Ich möchte gerne meine Digitalkompetenz festigen.
Danke!

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Thomas Knüwer 8. Januar 2019 um 14:01

@Walter Sobchak: Ein Blog ist der Ort, auf dem sich Artikel finden, die chronologisch geordnet sind. Habeck hat also einen Artikel geschrieben, kein Blog.

Die Anführungszeichen verwende ich (und das hätte ich sicher irgendwo unterbringen sollen) als nostalgische Reminiszenz an eine uralte Debatte: Muss ein Blog Kommentare zulassen? Darüber hat sich Klein Bloggersdorf so vor einem Dutzend Jahre die Tastaturen heiß debattiert, vor allem in Bezug auf das kommentarlose Bildblog. Ich habe Kommentare nie als verpflichtend für die Blogdefinition angesehen – und sie merken: Somit ist die Ironie ingesamt auch nicht so richtig treffend gewesen. Sorry dafür!

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Ben 8. Januar 2019 um 14:30

Also wenn das – https://www.robert-habeck.de/texte/blog/ – hier kein Blog ist, weiß ich auch nicht mehr.

Das Fehlen von Facebook oder Twitter Account als Ausdruck von Elitenzugehörigkeit?
Filterblase ohne Facebook und Twitter?

Welches Internet benutzen Sie, haben Sie da was anderes als ich?

Bildungsbürgertum, auch so ein Begriff, würde mich interessieren was Sie darunter genau verstehen?

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Thomas Knüwer 8. Januar 2019 um 15:00

@Ben: Hier laufen ein paar Dinge durcheinander…

Natürlich ist das ein Blog. ABER: Habeck untertitelt den bewussten ARTIKEL mit "Ein Blog zum Abschied". Entweder sein gesamtes Blog handelt vom Abschied (was es nicht tut), oder er glaubt, ein Artikel sei ein Blog – was falsch wäre.

Bei Ihrer ersten Frage treffen Sie einen falschen Rückschluss (so ich das recht verstehe, ihre Sätze sind ja recht knapp, das kann schnell zu Missverständnissen führen). Fakt ist: Ein weiter Teil der deutschen Eliten hält sich aus dem Social Web fern, das zeigt auch die OECD-Studie. Aber natürlich nicht alle.

Ihre nächste Frage durchdringe ich nicht. Zum Thema Filterblase: Das Social Web ist die größte Filterblasenzerplatzmaschine in der Menschheitsgeschichte. Die meisten Menschen bewegen sich in ihrem gesellschaftlichen Leben nämlich in einer Filterblase der Gleichgesinnten.

Nächste Frage: ich weiß ja nicht, welches Sie benutzen, deshalb kann ich hier keine Antwort geben.

<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bildungsbürgertum">Bildungsbürgertum-Definition finden Sie unter diesem Link.</a>

Antworten

Ben 8. Januar 2019 um 19:37

Stimmt etwas durcheinander, war auch nur schnell aus der Hüfte geschossen, sorry.

An der Formulierung „Ein Blog zum Abschied“ fehlende Netzkompetenz auszumachen finde ich dann aber doch ein wenig kleinkariert, das kann man glaube ich entspannter sehen.
Was die Filterblase angeht haben Sie natürlich recht, auch da war ich zu schnell.

con2art 26. Januar 2019 um 17:29

Also die Studien, die ich kenne + die eigenen und die Erfahrungen der nächsten Bekannten zeigt mir, dass das „Social Web“ ganz sicher keine Filterblasenzerplatzmaschine ist. Vielleicht benutzen Sie ein anderes als ich, denn egal ob YouTube, Facebook oder Twitter, egal ob Suche per Google oder Bing, der Algorithmus empfiehlt mir das, was ich kenne und akzeptiere/mag.

Die AfD wurde mir noch nie empfohlen, dafür das archäologische Museum in Rom. Beispielhaft.
Beim Facebook-Account einer Bekannten dagegen könnte man den Eindruck haben, alle Welt liebt „diverse Geschlechter“-gerechte Sprache und alle Welt weiß um die Gefahr durch Masernimpfung an Autismus zu erkranken. (Fürs Protokoll: Beides falsch.)

Also das müssten Sie noch mal erklären und belegen. Auch sei daran erinnert, dass Sie selbst immer wieder beklagen, dass Journalisten und andere Berufsgruppen trotz „Social Media“-Accounts unter sich blieben. Wenn Ihre These der „Filterblasenzerplatzmaschine“ korrekt wäre, dürfte das eigentlich nicht sein.

Thomas Knüwer 29. Januar 2019 um 18:05

@con2art: Schade, dass Sie keine Studien her verlinkt haben. <a href="http://www.bbc.com/future/story/20180416-the-myth-of-the-online-echo-chamber">Hier ein Artikel der BBC mit mehreren Studien, die meine Einstellung untermauern. </a>

Aber auch schon rein logisch geht die Idee der abgeschlossenen Filterblase nicht auf. Ich schildere gern das Beispiel meiner Fußball-Dauerkarte: Im Stadion sitze ich neben Menschen, die völlig anders sind. Dortselbst reden wir nur über Fußball – aber wir sind im Social Web verbunden. Und so erhalte ich einen ganz anderen Blick auf die Welt.

Dies auf "Ich bekommen die Posts der Bahngewerkschaft angezeigt" zu reduzieren ist zu kurz gesprungen. Sie bekommen Accounts vorgeschlagen, die Ihren Interessen entsprechen – das ist eine Funktionalität bei Facebook oder Twitter. Der entscheidende Faktor sind aber die Postings derjenigen, mit denen Sie verbunden sind.

Und hier ist dann das Punkt, in dem ich bei Ihnen selbst einen Widerspruch sehe. Sie schreiben einerseits, Ihnen würde nichts angezeigt, was Ihrer Meinung widerspricht – nennen aber eine Bekannte, die anscheinend dem verschwörungstheoretischen Spektrum angehört. Sind Sie nicht mit der verbunden?

Aber kommen wir doch weg von anekdotischen Beobachtungen. <a href="http://www.ctrl-verlust.net/digitaler-tribalismus-und-fake-news/">Michael Seemann und Michael Kreil zeigen in ihrer Studie </a>ja sehr schön, wie es eine Art Zweiteilung von Social Media-Nutzern gibt – in Rechte und Nicht-Rechte. Und selbst hier werden die Rechten von demokratischen Medien erreicht, nur ändert das deren Denken nicht. Hier auch noch einmal zurück zu Ihrer Bekannte: <a href="https://www.anikibo.com/2016/04/suspicious-minds-brotherton/">Wie Rob Brotherton in seinem lesenswerten Buch "Suspicious Minds" zeigt</a>, ist der Glaube an Verschwörungstheorien gekoppelt an gewisse Denk- und Hirnstrukturen. Wer an eine Verschwörungstheorie glaubt auch eher an andere. Und deshalb ist diesem Bereich unserer Gesellschaft mit Fakten nicht beizukommen.

Final: die Journalisten. Schon 1995 ergab eine Studie von Prof. Weischenberg aus Münster, dass Journalisten häufiger mit Berufsstandskollegen befreundet – und sogar verheiratet – sind, als dies bei andere Professionen der Fall ist. Dies würde ich (und hier muss ich mangels Studie auf das eigene Gefühl zurückgreifen) immer noch so sehen. Warum platzt dort keine Filterblase? Ganz simpel: <a href="https://www.anikibo.com/2016/05/meisterstueck-bdzv/">Weil Journalisten Social Media unterdurchschnittlich häufig nutzen.</a> Es gibt eine kleine digitale Avantgarde, die dies tut – doch der weiteste Teil der deutschen Redaktionen nutzt diese Dienste nicht mal in durchschnittlicher Häufigkeit.


Jonathan 8. Januar 2019 um 13:19

Mich würde interessieren, wie viele der betroffenen Personen eine effektive 2FA Methode auf ihren Profilen aktiviert hatte, und einen Passwort-Manager mit starken Passwörtern zum Login in ihren Accounts verwenden. Oder ob die Daten-Zugriffe über API-Schwachstellen bei Twitter, Facebook und co abgesaugt wurden.
Ich finde Ihre Vorschläge richtig und wichtig – so schön es ist, mit Politikern in direktem Kontakt zu stehen, genauso unrealistisch ist es in Zeiten von Bots das als Einzelperson zu managen.

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Katharina Körting 8. Januar 2019 um 14:29

Dazu habe ich eine andere Meinung. Das Getriebensein durch "Soziale Medien" hat nichts mit Disziplinlosigkeit zu tun. Man muss nicht alles mitmachen. Vernünftige Politik und Politische Kommunikation kann auch anders funktionieren. Und was mich stört an dem Text, ist die fast beleidigte Grundhaltung: Da verlässt einer die Peer Group, einer weniger, der der Group bestätigt, dass sie in Ordnung ist und alternativlos. Leuten fehlende "Digitalkompetenz" zu bescheinigen und seine eigene zu suggerieren, finde ich klein nach dem Motto "Wer hat den längsten". Ich habe mich gefreut über Habecks Entscheidung und selbstkritisches Statement dazu. Das erfordert Mut. Wie viel, sieht man an selbst- und z.T. ungerechten Reaktionen wie diesem hier. Warum kann man nicht einfach achten, was jemand für sich entscheidet? Es gibt, auch für Politiker/innen, keinen Zwang, auf bestimmten Internet-Medien präsent zu sein. Es gibt allerdings, für Politiker/innen, den Auftrag, den rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Rahmen für Internet-Medien so sicher und transparent wie möglich zu gestalten. Immer wieder ist zu fragen cui bono. Wem nützt Facebook? Wem nützt Twitter? Wer hat ein Interesse an der ständigen Verfügbarkeit? Und was wäre zu gewinnen, wenn weniger mehr ist? Mehr Zeit für die Gestaltung von Politik. Mehr Zeit zum Nachdenken, bevor man irgendwas raushaut.

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Thomas Knüwer 8. Januar 2019 um 15:15

@Katharina Körting: Leider muss ich Ihren Kommentar in weiten Teilen zurückweisen.

1. Nein, man muss nicht alles mitmachen. Allerdings reden wir von den wichtigsten Kommunikationsinstrumenten unserer Zeit und der wichtigsten Debattenplattform. Bei dieser Äußerung gibt es immer Zweifler – doch wo wird mehr über die Gesellschaft diskutiert als im Social Web? Nun ist Habeck aber nicht ein Otto Normalnutzer. Er ist Vorsitzender einer Partei im Aufwind und wir dürfen annehmen, dass er ein politisches Amt anstrebt. In diesem Moment muss er aus meiner Sicht das wichtigste Kommunikationsinstrument unserer Zeit nutzen. Hier ist mein Argument deckungsgleich mit dem bei Journalisten: Wer die Welt (ein)ordnen will, muss in ihr leben.

2. Beleidigt möchte ich den Ton nicht verstanden wissen, gern aber enttäuscht. Sie sprechen hier von Peer Groups, was die Nutzerschaft des Social Web auf einzelne "Kasten" reduziert. Dies ist eine aus meiner Sicht verfehlte Wahrnehmung. Jene Peer Group ist die Allgemeinheit, sie beginnt beim US-Präsidenten, geht weiter über die größten popkulturellen Beinflusser unserer Zeit, über Wirtschaftslenker, Aktivisten, Journalisten bis hin zu einzelnen Menschen, die in jedem Moment andere bewegen können. Dazu bitte ich das eingebettete Beispiel der jungen Araberin zu beachten.

3. Ich bescheinige Menschen fehlende Kompetenz, wenn sie die einfachsten Sprachregelungen in einem Feld nicht beherrschen. Wenn jemand im Fußballstadion "Ecke" fordert, wenn ein Spieler umgetreten wird, statt "Foul" zu rufen, dann hat er keine Ahnung. Habeck untertitelt seinen ARTIKEL mit "Ein Blog zum Abschied" – das ist schlicht falsch.

4. Das Verlassen eines Ortes erfordert keinen Mut. Es ist die Aufgabe. Sich zu ordnen, die Kampf aufzunehmen – das ist Mut.

5. Und wir reden hier ja von einem Kampf. Der Aufstieg der neuen Rechten ist mit dem Gefühl vieler Menschen, dass eine herrschende Klasse sich von ihnen abgekoppelt hat und tut, was sie will. Ein wichtiges Mittel, dieses Gefühl an seiner Ausbreitung zu hindern, ist Kommunikation. Die demokratischen Parteien haben jenen wichtigsten Ort der Kommunikation – das Social Web – den Rechten überlassen. Die AFD kann digital kommunizieren – die anderen Parteien nicht. Genau deshalb wäre es wichtig, dass Politiker wie Habeck sich dem Gegner stellen und nicht der Kommunikation ausweichen. Denn wie soll ich denn Habeck erreichen. Fun Fact: Ich habe seinem Büro gestern mit freundlichen Worten einen Link zum Text geschickt. Reaktion: null – nicht mal ein "Danke, wir schauen uns das an". Wie im Text beschrieben: Es ist nicht mal möglich, mit dem für einen zuständigen MdB zu kommunizieren.

6. Wem nutzt Facebook? Millionen Menschen, die mit anderen Menschen kommunizieren wollen.

7. Mehr Zeit zum Nachdenken? Daran mangelt es Habeck sicher weniger – er hat die Zeit ein Buch zu schreiben. Was wir aber viel mehr brauchen, sind Politiker, die Menschen über Kommunikation mitnehmen.

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Walter Sobchak 8. Januar 2019 um 14:37

Aber Herr Knüwer, der Grüne hat doch mehrere Artikel veröffentlicht: https://www.robert-habeck.de/texte/blog/
Erfüllt das nicht Ihre Definition?

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Thomas Knüwer 8. Januar 2019 um 14:55

@Walter Sobchak: Das hat er. Er nennt seinen ARTIKEL aber in der Unterzeile "Ein Blog zum Abschied". Entweder sein gesamtes Blog handelt vom Abschied (was es nicht tut), oder er glaubt, ein Artikel sei ein Blog – was falsch wäre.

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Walter Sobchak 8. Januar 2019 um 14:59

Ah verstehe nun.

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Habecks Ausstieg, Rheinterrorblog, „Nazis raus“ und die Folgen – Legaltime 8. Januar 2019 um 16:31

[…] Twitter- und Facebook-Präsenzen stilllegt.Weitere Lesetipps: Auf „Indiskretion Ehrensache“ kritisiert Thomas Knüwer Habecks Reaktion. Und Wolfgang Michal hält der „FAZ“ den Spiegel vor, indem er bei einem […]

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Habecks Ausstieg, Rheinterrorblog, „Nazis raus“ und die Folgen – LegalCode 8. Januar 2019 um 18:18

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Habecks Ausstieg, Rheinterrorblog, „Nazis raus“ und die Folgen – Allibi 9. Januar 2019 um 5:39

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Daten-Leak: Die Lösung bin ich! – Euro Journal 9. Januar 2019 um 13:21

[…] Die Social-Media-Experten sagten, Habeck müsse Social Media machen, aber könne ja Social-Media-Experten beauftragen. […]

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Dieter Warstein 9. Januar 2019 um 23:15

Wenn Sie bei Blog/Artikel so kleinlich sind, sollten Sie selbst auch präzise sein und nicht von "social web" sondern von "commercial web" reden.

Antworten

Thomas Knüwer 10. Januar 2019 um 16:44

@Dieter Warstein: Damit habe ich ein kleines Problem. Zunächst einmal möchte ich Sie auf die <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Social_web">Definition der Vokabel "Social Web" auf Wikipedia </a>verweisen.

Eine deckungsgleiche Definition von "Commercial Web" scheint nicht zu existieren. Mehr noch: Bei Google findet sich auch keine entsprechende Verwendung. Dies legt den Verdacht nahe, dass dieses Wort von einer sehr geringen Menge von Menschen verwendet wird.

Hinzu kommt ein inhaltliches Problem, vor das ich jedoch einen Einschub setzen möchte. In Ihrem Kommentar scheint eine gewisse wirtschaftskritische Haltung mitzuschwimmen. Denn Sie ersetzen die Dienstleistung "Förderung sozialer Kontakte" durch die Gewinnerzielungsabsicht. Ich selbst bin, entnehme ich Ihrer kurzen Ausführung, wirtschaftsfreundlicher gestimmt. Ich finde nichts Schlimmes dabei, Geld zu verdienen, ich selbst verdiene auch gern Geld, vor allem, weil ich gerne Geld ausgebe.

Würden wir aber nun jene Namensänderung konsequent handhaben, und ich bin ein Freund des Konsequenten, entstünden in unserem Alltag zahlreiche Verwerfungen. Arztpraxen, beispielsweise, müssten dann Geldverdienerpraxen heißen, was eine Unterscheidbarkeit von dem, was wir heute Anwaltspraxen nennen, deutlich erschwerte. Bei Kommerzläden könnten wir uns nicht mehr sicher sein, ob sie Papierwaren, Tee oder Mode feilböten. Und wenn wir jemanden von der Kommerzlinie in Friedrichshafen abholen wollten, wüssten wir nicht, ob wir zum Bodensee oder zum Flughafen fahren müssten.

Sie merken schon, es gibt Gründe, warum das Social Web nicht Commercial Web heißt.

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Dieter Warstein 16. Januar 2019 um 22:02

Ich habe keine wirtschaftskritische Haltung. Die Leute können und sollen gern Geld verdienen, aber sie sollen es dann auch sagen. Mit "social web" sind ja wohl die "sozialen Netze" gemeint und die sind nicht sozial (jedenfalls nicht im Sinne wie im Deutschen sozial verstanden wird) sondern kommerziell. Und ihre "Förderung sozialer Kontakte" klingt so wie die "Schaffung von Arbeitsplätzen". Firmen (jedenfalls dann, wenn sie bestehen wollen) schaffen keine Arbeitsplätze. Sie stellen Leute an, weil sich dadurch ihr Gewinn erhöht. Alles andere wäre töricht.
Im Übrigen hat Herr Habeck, wenn ich mich nicht täusche, nicht seinen Internet-Anschluss (und damit seine sozialen Kontakte) gekündigt, sondern nur seine Mitgliedschaft bei zwei "kommerziellen Netzwerken".

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Thomas Knüwer 17. Januar 2019 um 10:56

@Dieter Warstein: Ich finde Ihre Haltung befremdlich. Denn wer sagt denn bei Facebook, dass der Dienst kein Geld verdienen will? Schließlich handelt es sich – und das ist nun wirklich kein Geheimnis – um ein börsennotiertes Unternehmen Andersherum wird die Betrachtung auch interessant: Sagt der Kellner in einem Restaurant Ihnen, lieber Herr Warstein, dass er sie bedient um Geld zu verdienen? Sagt es der Restaurantbesitzer? Sagt der Wächter im Parkhaus Ihnen das? Darf ich raten? Nein, tun sie alle nicht.

Bei der Bezeichnung der Dienste werden wir uns offensichtlich nicht einig. Allerdings vermittelt Ihre Betonung auf die Namensänderung in Bezug auf kommerzielle Zwecke allein im Bereich der digitalen Dienste (meine Einwendungen zu diesem Punkt finden bei Ihnen leider keine Erwähnung) zumindest nach außen den Eindruck einer wirtschaftskritischen, ja -feindlichen Haltung. Wenn Sie diesen Eindruck vermeiden möchten, wäre eine Veränderung der Argumente und Ihrer Tonalität vielleicht überdenkenswert.

Das betrifft auch die Frage der "Schaffung" von Arbeitsplätzen. Wer bestreitet, dass es so ist? Allerdings erkenne ich bei Ihnen eine recht lineare und mit Verlaub simplifizierte Haltung in diesem Punkt. Denn Unternehmen schaffen auch Arbeitsplätze, um später Gewinne zu erzielen, die keineswegs sicher sind. Dies trifft zum Beispiel auf neue Geschäftsfelder zu. Oder sie schaffen Stellen, um absehbare Spitzen abzufedern, regelmäßig sogar, um zunächst ein höheres Serviceniveau zu erreichen und sich so zu positionieren.

Diese Zukunftsbetrachtung führt dann zu einer weiteren Unschärfe. Denn auch die öffentliche Hand könnte mit einer solchen Argumentation darauf fokussiert werden, Gewinne zu erwirtschaften. Mehr noch: Sie muss Gewinner erwirtschaften. Denn gerade sie steht immer wieder vor Investitionen, die aus den laufenden Einnahmen nicht gedeckt werden können. Nehmen wir die aktuelle Situation in Leverkusen: Eine Autobahnbrücke muss nur alle paar Jahrzehnte erneuert werden, diese Erneuerung benötigt aber auf eine kurze Zeitdistanz eine recht hohe Menge an Geldmitteln. Diese müssen entweder über Jahre in Rückstellungen gebildet werden – oder die öffentliche Hand verschuldet sich. Eine solche, hohe Verschuldung jedoch verändert die Lage auf dem Anleihenmarkt, was wiederum einen Eingriff in die Wirtschaft darstellt. Davon aber abgesehen: Wollen wir Städte dann Kommerze nennen?

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Dieter Warstein 21. Januar 2019 um 22:45

Hmm, sieht so aus als wenn wir nicht so recht zusammenkommen. Mir scheint, daß Sie mich absichtlich missverstehen wollen. Ich versuche es also nochmal.

"börsennotiertes Unternehmen": Fragen Sie mal einen durchschnittlichen Facebook-Nutzer womit *ganz genau* Facebook Geld verdient. Und irgendetwas wie "personalisierte Werbung" reicht dann als Antwort sicher nicht aus, um zu erklären, warum Facebook eines der wertvollsten Unternehmen ist. Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich fragen, wieviel genau Facebook an diesem Nutzer im Jahr 2018 verdient hat.

Ich fordere nicht, Restaurants in Geldverdien-Lokale umzubenennen. Ein Blick auf die rechte Seite der Speisekarte reicht, um zu erkennen, daß es etwas kostet. Auch bei einem Hutgeschäft ist klar, daß hier Geschäfte gemacht werden. Trotz Ihrer wiederholten Unterstellung ich sei wirtschaftskritisch finde ich es sehr gut, daß Leute mit Restaurants und Hutgeschäften Geld verdienen wollen, dadurch kann ich nämlich schön essen gehen und mich einkleiden.
(Bei den von Ihnen erwähnten Arztpraxen ist es nicht ganz so offensichtlich, jedenfalls nicht bei gesetzlich Versicherten. Aber auch da ist klar, daß eine Krankenversicherung die entstehenden Kosten, also den Gewinn des Arztes zahlt.
Bei ihren Beispielen Papierwarengeschäft, Teegeschäft oder Modegeschäft ist alles klar. Da müssen Sie nix umbenennen.)

Bei Facebook ist das eigentliche Geschäft viel undurchsichtiger, die "Förderung sozialer Kontakte" ist es jedenfalls nicht. Das trifft auf konventionelle Email-Anbieter und Post-Firmen zu. Facebook macht Geschäfte mit privaten Daten und Profilen (die die Leute bei Anmeldung zugegebenermaßen freiwillig zugänglich machen; aber wie oben von jemand anders erwähnt wurde, auch von Leuten, die das nicht wollen). Und ich wage mal zu behaupten, den allermeisten Facebook-Nutzern ist die Dimension, in der das geschieht, nicht bewusst. (In einer Demokratie ist das zunächst geschäftlich, aber mittlerweile auch schon sehr politisch. Aber es kann ja auch mal ganz anders kommen …)

Im übrigen klingt im Deutschen "soziale Netzwerke" wie Sozialleistungen und Sozialgesetzbuch, weshalb ich den Begriff für unpassend halte. Ihre Beschreibung "Förderung sozialer Kontakte" klingt sogar ein bißchen nach Hilfsorganisation.

Das nächste Problem mit solchen Netzwerken ist deren unglaubliche Monopolstellung. Das trägt sicher auch die Politik eine gewisse Verantwortung, aber nicht nur, und das ändert auch nichts am Problem. Und wenn mal ein Prominenter aussteigt, gibt’s Blogger mit Digitalkompetenz, die sagen, daß das gar nicht, weil ja alle mitmachen.

"Schaffung von Arbeitsplätzen": Vielleicht mal ein anderes Beispiel, damit es klar wird. Wenn Sie in den Urlaub nach Italien, sagen Sie doch auch nicht, ich bringe mein Auto mal 3 Wochen nach Italien, obwohl Sie genau das tun. Das Auto in Italien ist doch nur Mittel zum Zweck, aber nicht der Zweck. Der Zweck ist der Urlaub. Ganz genauso ist es mit den Arbeitsplätzen, die sind Mittel zum Zweck, nicht Zweck.
(Wenn Sie mit 1000 Angestellten 1 Million Gewinn machen können oder mit 100 Angestellten und neuen Maschinen 3 Million Gewinn, schaffen Sie dann die 900 Arbeitsplätze? Viel Erfolg!)
Man kann sich natürlich Firmen vorstellen, die "Arbeitsplätze schaffen". In der Planwirtschaft. Wie in der DDR.
(Ihr längliche Diskussion mit den Arbeitsplätzen für einen künftigen Gewinn ist völlig irrelevant, wenn man mit Gewinn den gesamten Gewinn, also auch den zukünftigen bzw. erwarteten, meint.)

Nochmal zurück zu Facebook: Wenn die rausfinden würden (das ist natürlich hypothetisch), daß sie, sagen wir mal, mit einer extrem verlässlichen, sehr langfristigen Wettervorhersage 3mal soviel Geld verdienen würden, wie mit dem Ausforschen von Leuten, würden die alle ihre Leute Wettermodelle rechnen lassen und es wäre Ihrer "Förderung sozialer Kontakte" vorbei. Von einem Tag auf den anderen.

Nochmal zurück zu Herrn Habeck, um den es ja eigentlich ging. Ich weiß es natürlich nicht, vermute aber mal, daß sein Ausstieg auch durch ein gewisses Unbehagen gegenüber diesen Firmen bestimmt wurde. Und das kann ich gut verstehen. Daß Sie dagegen das Modell dieser Firmen praktisch uneingeschränkt propagieren, halte ich für falsch und — ja — auch gefährlich.

Thomas Knüwer 22. Januar 2019 um 9:58

@Dieter Warstein:

Mit Verlaub, mir scheint, Sie bauen hier ihre eigene Welt. Sie konstruieren "Unternehmenszwecke" so, wie es in Ihre Argumentation passt. Der "Zweck" jedes Unternehmens, ja den allermeisten Institutionen, ist die Gewinnerzielung. Mehr noch: Der "Zweck" jedes Menschen ließe sich sogar bei einer Hardcore-Sicht auf die Dinge so titulieren.

Mir ist nicht klar, weshalb Ihnen "personalisierte Werbung" ein Einkommen nicht reicht. Womit verdient Facebook denn ansonsten sein Geld? Genau das sorgt dann ja auch immer wieder für Kurseinbrüche und kritische Analystenberichte (auch bei Google): Die Dienste sind "One Trick Ponys", sind also von einer Einnahmequelle abhängig.

Sie haben natürlich Recht, dass bei einem klassischen "Verkaufsgeschäft" Produkte erkennbare Preise haben. Doch schon bei der Arztpraxis wird es dann schon schwammig. Glauben Sie wirklich, dass Menschen so denken? Dass sie wissen, dass jeder Arztbesuch Folgen für die Abrechnung hat – und welche? Ich bezweifele das, erst recht, weil ich als Privatpatient Abrechnungen en detail sehe. Und so gibt es viele Momente im Leben, da Koste verdeckt sind und deshalb nur eine ungefähre Wahrnehmung darüber besteht, was da gerade passiert. Nicht jeder Mensch muss dieses Wissen auch haben, aber jeder, den es interessiert kann sich informieren.

Problematisch finde ich, dass Sie meine Argumente nicht korrekt darstellen. Ich habe ja keineswegs geschrieben, Sie forderten eine Umbenennung von Restaurants. Ich schrieb, dass dies ein konsequentes Weiterdenken ihrer Argumente wäre.

Genauso problematisch finde ich, dass sie mit dem "Klang" von Worten zu arbeiten beginnen. Natürlich ist "Soziales Netzwerk" ein doofes Wort. Deshalb wäre "Social Network" auch besser. Aber obwohl die deutsche Sprache seit Jahrhunderten ausländische Begriffe implementiert, ist das in diesen Tagen ja leider verpönt. Was aber unstrittig ist: Der "Zweck" von Facebook ist die Monetarisierung von gesellschaftlichen Kontakten. Würden letztere nicht entstehen, würde niemand den Dienst nutzen.

Bei solchen Diskussionen, wie wir sie hier führen, ist es immer sinnvoll, zwischen Meinung, Hypothese und Fakt zu unterscheiden. Dabei muss eine Hypothese wissenschaftlich belegbar sein. Das macht ihre Meinung, die allermeisten Nutzer wüssten nicht, wie Facebook Geld verdient zu eben dieser – zur Meinung. Denn derzeit gibt es keine ausreichenden Studien zum Theme (die jüngste basierte auf nicht mal 1000 Nutzern – das reicht definitiv nicht).

Beim Thema Monopolstellung weise ich nochmal auf meine Meinung hin: Die aktuelle Monopoldefinition reicht nicht für das Digitale Zeitalter. Denn in welchem Markt hat Facebook ein Monopol? Der "Nutzermarkt? Sie selbst sagen doch, dass die jungen Leute dort nicht aktiv sind. Und was hindert Konkurrenten an der Gründung? Nichts. Und tatsächlich bilden sich und existieren Konkurrenten: Asien hat einen ganz anderen Social Network-Markt, die Dominanz von V-Kontakte in Russland schwappt über die in Deutschland lebenden Russen auch hier hinüber. Tictoc ist bei jungen Leuten heißer Scheiß, Twitch wandelt sich gerade von einer Streamingplattform zum Kommunikationsnetz. Sprich: Wir reden hier über einen Markt mit erstaunlich niedrigen Eintrittsbarrieren und einer gehörigen Bewegung. Dann bliebe noch der Werbemarkt – doch da wird die Definition noch schwieriger, weil die Preise für Werbung auf Facebook und auf Google eben nicht festliegen, sondern über Auktionsverfahren ermittelt werden. Kann ein Unternehmen, dass seinen Preis über Auktion ermittelt überhaupt eine Monopolstellung ausnutzen? Das allein ist eine Diskussion, die seit 10 Jahren geführt werden müsste – passiert aber nicht.

Bei Ihrer Argumentation zur Schaffung von Arbeitsplätzen verlieren Sie mich. Deshalb noch mal: Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, manchmal um Gewinne direkt zu erwirtschaften, manchmal um ihre Zukunft abzusichern oder neue Felder anzugehen. Durch all ihre Argumente lese ich aber weiterhin, dass Sie es für einen Makel halten, Gewinn zu erwirtschaften. Diese Meinung kann ich nicht teilen, denn alles andere würde ja Planwirtschaft bedeuten.

Deshalb ist auch ihre Imagination in Sachen Wetterdienst so problematisch. Denn sie hat nichts mit Facebook zu tun. Erinnern wir uns doch nur an Nokia: Der Gummistiefelhersteller wurden zum Netzwerkausrüster. Aber: Noch nie in der Geschichte der Wirtschaft passierte etwas von heute auf morgen. Natürlich gibt es Entwickungen und Zeitläufte, die bei Unternehmen zu Anpassungen führen. Wenn ich Ihre Argumentation bei Nokia aber konsequent weiterentwickle, wäre das Unternehmen eben kein Netzwerkausrüster, sondern ein Geldaufrüster – weil es sein Geschäftsmodell zur Erzeugung von Gewinnen geändert hat.

Auch bei Habeck imaginieren Sie. Sie wünschen sich, und hier erlaube ich mir zu imaginieren, dass Habeck dies dachte. Das ist Ihre Meinung, die dürfen Sie haben. Allerdings sollten Sie andere Meinungen nicht verdrehen. Denn dass ich Facebook "uneingeschränkt propagiere" ist schlicht falsch. Aber auch hier fürchte ich: Sie hoffen, dass dem so ist. Denn differenzierte Meinungen machen – und das ist Fakt – Diskussionen anstrengender.


Anne 10. Januar 2019 um 16:14

Mh ich finde hier scheint durch, dass das Problem nicht in erster Linie am Abschied von Social Media zu suchen ist sondern dass der Autor sich vor allem ärgert, dass Politiker unerreichbar sind. Dieses Anliegen ist verständlich, muss man aber doch nicht durch einen Twitter-Account lösen, sondern das gibt es natürlich noch mehr Möglichkeiten, wenn man denn will. Ich finde es sehr verständlich dass man geschockt ist, dass sehr private Dinge plötzlich sehr öffentlich gemacht werden und das von einem begabten Einzeltäter ohne Einfluss und Macht, einfach also "irgendjemand" und dann ertsmal beschließt, Abstand zu nehmen. Ich würde allerdings zustimmen, dass ein Abschied vielleicht auf längere Sicht ein Fehler sein wird – eine Professionalisierung der Social-Media-Präsenz wäre eher angeraten, vielleicht muss man auch nicht alle Kanäle bedienen wenn man zB Twitter ausschließen möchte … es gäbe da schon Spielraum.

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Thomas Knüwer 10. Januar 2019 um 16:51

@Anne: Auch ich kann verstehen, dass man geschockt ist, wenn private Daten veröffentlicht werden. Allerdings sollten wir nicht den Fehler machen und hier unterschiedlichste Dinge vermischen.

1. Habeck hat Twitter nicht wegen der Veröffentlichung von Daten verlassen, sondern wegen jener beider Videos, bei denen er selbst einen Fehler eingesteht – und der daraus erwachsenden Kritik.

2. Jene Datenveröffentlichung wird meiner Meinung nach sehr übertrieben. Die darin enthaltenen Daten sind keineswegs so hoch dramatisch, wie viele tun. Quantitativ betrachtet, war vieles davon ja sogar für jedermann öffentlich zu bekommen (zum Beispiel Mail-Adressen). Trotzdem ist es natürlich ein Moment, der schockierend wirken kann. Allerdings: Der Täter wurde gefasst, der Rechtsstaat funktioniert. Wir sollten also mal durchatmen.

3. Robert Habeck ist eben keine einfache Privatperson. Er hat ein parteipolitisches Amt inne und strebt – so dürfen wir annehmen – nach einem regierungspolitischen Amt. In letzterem hat er auch die Verantwortung, Politik zu erklären und Menschen mitzunehmen. Im 21. Jahrhundert ist es naiv zu glauben, dass dies über Bücher, Flyer und Interviews funktioniert. Die Welt hat sich geändert, das mag man doof finden oder nicht, man wird sie aber nicht zurückändern. Und deshalb ist es zu kritisieren, wenn ein hoffnungsvoller Politiker sich aus dieser Kommunikation herauszieht in einer Zeit, das undemokratische Elemente genau diese Plattformen nutzen, um Wähler zu gewinnen.

Fun Fact: Ich habe Robert Habecks Büro über die Mailadresse auf seiner Homepage einen Link zum Artikel geschickt. Reaktion: null. Nun muss er sich inhaltlich nicht äußern. Dass aber nicht einmal ein standardmäßiges "Vielen Dank für Ihre Mail, bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht auf jede Zuschrift reagieren können." zurückkommt – das zeugt eben davon, dass Habeck nicht mit Bürgern reden möchte.

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Fritz Iversen 10. Januar 2019 um 17:54

Interessante Überlegungen. Kleiner Einwand: Die Dinge sind im Fluss. Es ist noch nicht einmal mehr klar, wessen Haltung hier die Aktuelle ist – Ihre oder die von Habeck?
Junge Leute unter 20 sind bereits nur noch zu 15% auf Facebook – da kamen ja neulich Zahlen, dass eher die Gestrigen noch auf Facebook sind. Habeck soll ja auch das harmlosere Instagram bewahrt haben. Damit liegt er im Trend. Man könnte sagen: Er hat es verstanden.
Gekennzeichnet ist der Trend von De-Privatisierung und von den Hyperbeln der Polarisierung, teils systematisch stimuliert von "Info-Warriors". Was soll man Habeck anderes empfehlen, als die persönliche Kommunikation im Netz strategisch neu zu durchdenken?
Wenn für Top-Prominente nur noch Pseudo-Authentizität möglich ist, ist Soocial Media sowieso nicht mehr das, was es zu sein scheint.
Genauso wie Habeck möglicherweise sich überhastet zurückgezogen hat, sollte man ihm auch nicht überhastet Ratschläge erteilen. Ein "professioneller" Account wäre möglich, aber auch richtig? Habeck kommuniziert ja nicht nur mit Wählern, Gegnern und Journalisten, sondern auch innerparteilich. Authentizität ist dafür eine zentrale Komponente der Wirksamkeit. "Unauthentischs" Konversationen im Verlautbarungsstil ("Hier twittert Team Habeck") würde auf negative Werte einzahlen: Abgehobenheit, "bossig", etc. Das Dilemma ist absolut real und nicht mit einer Haltung von 2010 wegzudiskutieren.
Noch ein Aspekt: Paradoxerweise sind Social Media besonders tückisch für Personen, die in "classical media", insbesondere TV, stark präsent sind. Der Grund: Sie ziehen einen Aufmerksamkeitsüberschuss auf sich. Vor allem bei exponierten Politikern heißt dies, dass sie ständig in Gefahr sind, zu "Trophäen" ihrer Gegner zu werden.

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Thomas Knüwer 11. Januar 2019 um 10:10

@Fritz Iversen: Wir sollten hier einen Punkt festhalten: ich bin Unternehmensberater, Habeck ist Politiker. Ein Politiker sollte sich natürlich Trends/Entwicklungen bewusst sein. Er muss aber immer im Kopf behalten, dass er sich den aktuellen Kommunikationsgewohnheiten unterordnen muss und nicht künftigen.

Ihre Statistik kann ich mangels Quelle nicht nachverfolgen. Insgesamt aber hat sich Facebook ja nie an Teenager gewendet: Die Zielgruppe begann immer im studentischen Alter und die gesamte Plattform ist darauf ausgerichtet. Bleiben wir also beim Faktum: Die Zahl der Facebook-Nutzer in Deutschland ist von 2017 auf 2018 gestiegen (<a href="https://buggisch.wordpress.com/2019/01/02/social-media-messenger-und-streaming-nutzerzahlen-in-deutschland-2019/">hier im Vergleich mit anderen Social Networks</a>). Eine Studie zur Altersverteilung <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/512316/umfrage/anzahl-der-facebook-nutzer-in-deutschland-nach-alter-und-geschlecht/">finden Sie unter diesem Link</a>.

Wenn Sie es nun für eine schlechte Idee halten, die Rückständigen zu erreichen, laufen wir auf ein Problem zu. Denn: Rückständigkeit ist in Deutschland – siehe OECD-Studie – ja die Norm. Folge ich Ihrer Argumentation, dann verabschiedet sich Habeck durch seinen Rückzug von Facebook eben von der Grünen-Kernklientel Bildungsbürgertum. Bleibt noch Twitter: Dort sind ja gerade jene Viel-Kommunizierer, die man vielleicht als fortschrittlich titulieren könnte – auch mit denen mag Habeck nicht mehr kommunizieren. Wer bleibt dann noch?

Ihren Absatz von den Info-Warriors bitte ich zu präzisieren, ich kann das so inhaltlich nicht verstehen.

Für Prominente blieb schon immer nur Pseudo-Authentizität – und das hat nichts mit dem Internet zu tun. Nehmen wir noch einmal Adligen-Portraits vergangener Jahrhunderte: Auch sie sollten eine Form von Authentizität vermitteln, waren aber tatsächlich gefüllt mit dem, was der Portraitierte als Botschaft übermitteln wollte. Je größer das Interesse an einer Person, desto schwerer, gar unmöglich wird eine direkte Kommunikation. Dazu wurden schon immer Filter und Schaltstellen eingebaut.

Wir leben aber in einer Zeit, wie im Artikel beschrieben, in der sich Menschen von der politischen Kaste abgekoppelt fühlen. Der Kommunikation kommt somit eine höhere Bedeutung zu. Wie also will Habeck kommunizieren. Fun Fact (inzwischen ergänzt im Artikel): Ich habe seinem Büro den Link zum Artikel zugesandt – als Reaktion kam nicht mal ein "Vielen Dank für Ihre Mail…"

Der Rat zur professionellen Kommunikation ist kein vorschneller. Dieser Weg ist erprobt und erfolgreich. Dabei ist die interne Kommunikation ein anderes Thema. Sie sollte auf geschlossenen, brauchbaren Plattformen erfolgen. Es gibt Gründe, warum Slack so dermaßen auf der Erfolgspiste ist: Die Plattform ist für diese Zwecke sehr geeignet.

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Fritz Iversen 14. Januar 2019 um 21:38

Die Meldungen zum allmählichen Verschwinden der Jugend von Facebook (aber ältere Jahrgänge auch immer zurückhaltender), konnte man seit Mai verfolgen. Z.B. Guardian, 1.6.: "Teens are abandoning Facebook in dramatic numbers, study finds" (https://www.theguardian.com/technology/2018/jun/01/facebook-teens-leaving-instagram-snapchat-study-user-numbers). Im November dann noch einmal neue Zahlen, Computerbild schrieb: "Die Forscher vom Pew Research Center haben über 3.400 registrierte Facebook-User unterschiedlicher Altersklassen zu ihren Nutzungsgewohnheiten befragt. Eine Erkenntnis: 44 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben im vergangenen Jahr die Facebook-App von ihrem Smartphone gelöscht. Im Alter von 65 Jahren oder mehr waren es lediglich 12 Prozent." Das bezieht sich wohl nur auf USA, das Facebook nicht mehr so zu bewerten ist wie eventuell noch vor 2 oder 3 Jahren.
Die "Infokrieger" sind die meist männlichen Polit-Trolle, die teils organisiert in die Diffamierungsschlachten ziehen und sich dabei noch mit Fake-Accounts multiplizieren. Das ist eigentlich recht gut analysiert und es wurde schon reichlich drüber berichtet. Teilweise auch als Siff-Twitter bekannt.
Es muss jeder selbst wissen, wie er/sie das managt. Wer wie Habeck sowieso eine sehr breite Klaviatur zur Verfügung hat, braucht nicht unbedingt einen Twitter-Account, auch nicht um auf Twitter präsent zu sein. Das lässt sich kommunikationstaktisch eleganter und unaufwendiger lösen – und ohne sich persönlich in die Saalschlachten hineinziehen zu lassen. Sogar der Authentizitätseindruck kann auf anderen und indirekten Wegen höher sein.

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Thomas Knüwer 15. Januar 2019 um 9:22

@Fritz Iversen: Wie geschrieben – Teenager waren nie das Ziel. Am problematischsten aber: Diese Zahlen beziehen sich auf die englischsprachige, westliche Welt und liefern somit eine gewisse Verzerrung.

Den Begriff kannte ich schon, ich habe aber den Satz als Ganzes als zu sehr komprimiert empfunden. Also kurz: Ja, Habeck sollte strategisch vorgehen. Die Strategie kann aber nicht in einem Löschen und Verschwinden liegen.

Habeck hat eine breite Klaviatur – doch welche Taste erlaubt eine Kommunikation zu ihm? Erschreckend aber wahr: keine. Denn auf Mails (selbst probiert) folgt nicht einmal ein höfliches "Danke für ihre Mail". Wie also sollen Bürger mit ihm reden?

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