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Manchmal passieren Dinge ganz schnell. Zum Beispiel in dieser Woche: In nullkommanix ergab es sich, dass ich nun künftig eine montägliche Kolumne im gedruckten Blatt habe. Ihr Titel – ich weiß, viele werden sich jetzt beömmeln: Knüwer klickt durch. Ebenfalls für hysterische Lacher wird das Logo dazu sorgen:

Ich kann Ihnen aber sagen: Das ist noch viel besser als die Strichzeichnungen, die wir in einem Anbiederungsanfall vom „Wall Street Journal“ übernommen haben. Wenn Sie das gedruckte Handelsblatt in die Hand nehmen, finden Sie die beim Leitartikel auf Seite 1. Diese Bildchen sorgen erstens dafür, dass Sie den Autor in freier Journalistenbahn niemals erkennen und zweitens dafür, dass eine Klage wegen optischer Körperverletzung als gangbarer Weg erscheint.

Aber zurück zu diesem Montag. Hier die erste meiner Kolumnen. Am Stil werde ich noch feilen…

Cebitlosigkeit

Nein, ich war nicht auf der Cebit. Das nur vorweg, um auch auf gedrucktem Weg die Frage zu beantworten, die mir in der vergangenen Woche am häufigsten gestellt wurde. Sie ist ja berechtigt, diese Frage, schließlich ist das Internet mein Hauptarbeitsfeld. Und um Trends im Web und was sie für andere Branchen bedeuten, soll es künftig wöchentlich in dieser Kolumne gehen.

Doch genau das ist der Haken bei der Cebit: Die Messe steht auf der einen Seite einer digitalen Spaltung der besonderen Art. Computer, Software, Netz – das scheint für jene, die sich nicht ständig damit beschäftigen, eins zu sein. In der Realität aber haben sich die reinen Internet-Unternehmen ihr eigenes Biotop geschaffen – und dort geht es ganz anders zu als bei den IBMs dieser Welt auf der Cebit.

Die Messe ist eine Messe. Hier sollen Kundengespräche geführt, Aufträge abgeschlossen werden. Dafür braucht es teure Stände und viel Personal. Der geistige Nährwert einer solchen klassischen Messe ist gering – sie ist ein Hort des Small-Talk und des Beschmusens.

Was sollten Web-Unternehmen dort wollen? Warum sollten Myspace und Youtube im Wettlauf um den spektakulärsten Stand konkurrieren? Abgesehen davon, dass kein Startup die Kosten aufbringen könnte, allein der Begriff sagt es schon: Stand. Hier steht fast alles, auch geistig, während der Besucherstrom vorbei fließt.

Und dieser Strom wird immer dünner, schließlich hat die Cebit auf Drängen großer Aussteller den Endverbraucher-orientierten Part zurückgefahren. Nun sitzen dort die Anzugträger vor immer leerer werdenden Gängen in grauen Messehallen. Messehallen sind nie schön, leere Messehallen aber erwecken die Sehnsucht nach stimmungsaufhellenden Psychopharmaka. In solcher Stimmung ist nicht gut Geschäfte machen.

Wie anders, wie viel lebendiger und intellektuell anregender geht es zu auf den Konferenzen der Web-Wirtschaft. Richtig, Konferenzen – nicht Messen. Stände sind dort winzig, wichtiger ist der direkte Kontakt und die geistige Inspiration. Wer auf der Picnic in Amsterdam oder der Le Web in Paris war, wo das Ambiente entspannt, die Vorträge bereichernd und die Besucher kontaktfreudig waren, für den wirkt die Cebit so wohlig wie Beton. Von der Cebit kehren Besucher erschöpft zurück– von der Picnic inspiriert.

Diese Teilung der digitalen Wirtschaft wird der Cebit auch langfristig schaden. Würde Google, ein Unternehmen, das reichlich Bedarf an Hardware hat, heute gegründet – seine Erdenker wären nicht auf der Cebit. Die Großkunden von morgen lernen gar nicht erst den Tango der Industriemessen.

Ob die Cebit noch einmal die Wende schafft? In diesem Jahr versuchte sie, mit einem gut gemachten Weblog etwas zu bewegen – es war ein Trippelschritt auf einer Strecke, die so hart wird wie der Jakobsweg.

Viel mehr wäre nötig: ein Kongress inklusive mitreißender Redner, ein anderes Ambiente, vergünstigte Unterkünfte, aktives Werben um eine zahlenmäßig überschaubare Zielgruppe – kurz: Dinge, die Messeveranstalter hassen. Hoffnung für die Zukunft der Cebit macht das nicht. Ob ich auf der Cebit 09 sein werde? Derzeit mag ich das nicht glauben.


Kommentare


Cem Basman 8. März 2008 um 16:29

Wir hatten vor gut einer Woche kurzfristig die Reissleine ziehen müssen, auf der CeBIT StartupWeekend zu organisieren. Beide Konzepte sind offensichtlich unvereinbar. Die CeBIT ist die Hochmesse der alten Wirtschaft. Es gibt nicht einmal den Ansatz, zu verstehen, was das Neue ist. Da ist kein Platz für Häretiker wie wir… Höchstens als Zirkusnummer und Pausenclown.

Schade finde ich auch, dass auch viele junge Wilde des Neuen Web, viel zu schnell in die alten Verhaltensmuster der \“alten Wirtschaft\“ zurückverfallen. Anstatt die Chancen zur Veränderung, die das neue mit sich bringt, zu nutzen und die Wirtschaft zu verändern.

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nuf 8. März 2008 um 20:10

Mir fehlt im Logo irgendwie die Hand unterm Kinn.
Ansonsten sehr begrüßenswert.

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Jörg Friedrich 8. März 2008 um 20:40

Ich finde – ehrlich gesagt – den Kugelschreiber irgendwie … wie soll ich sagen …. also … ja also ich meine …. und dann dieses Rosa. Irritierend! Ja, das ist das richtige Wort.

Aber die Kolumne ist gut. Auch wenn du was beschreibst, was du halt nicht gesehen hast. Aber ich stell mir diese Messe auch so vor.

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Michael Finkenthei 8. März 2008 um 21:24

@jörg friedrich – man muss nicht dieses Jahr auf der cebit gewesen sein, um darüber zu schreiben. Hat man eine cebit gesehen, hat man alle gesehen. Was es dort Neues gibt, erfährt man sowieso auf den Webseiten der Aussteller. Oder aus deren Pressemitteilungen.

Ansonsten – ich hoffe, Herr Knüwer, diese Kolumne erscheint auch weiterhin nicht nur im Print…

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ksd 8. März 2008 um 21:26

Der Kugelschreiber im @ verursacht bei mir den akuten Reiz wegzugucken. Schrecklich! \“Seht her! Hier *SCHREIBT* (Was?! In der Zeitung?) jemand über *INTERNET* (Schock!) und trifft ins SCHWARZE (BOOOAA!).\“

Das Portrait ist ziemlich gut.

@Jörg Friedrich
Rosa? Ich bekomme eine Farbe in Richtung Khaki, also Hellbraun, angezeigt.
(H S V: 44 25 91)

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Onyro 8. März 2008 um 22:02

Logos und Namen mit @ sind so circa seit acht Jahren out. Da müsste sich der Grafiker nochmal was frischeres einfallen lassen um den Kugelschreiber pardon den Nagel auf den Kopf zu treffen bzw. ins Schwarze zu treffen. Denn so eine Kolumne in einer auch von der \“Old Economy\“ gelesenen Zeitung ist gut, wichtig und scheint in dieser ersten Ausgabe viel näher an der Aktualität zu sein. Ich klick mich dann mal wieder weg.

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cdv 9. März 2008 um 1:17

Glückwunsch! Am besten gefällt mir dabei das Verb… (frohlockend oder seufzend?) Zur CeBIT: Richtig (nicht-)gesehen, es ging mir bei meinem dann doch notwendigen Kurzbesuch http://prcdv.typepad.com/cdv/2008/03/spannend.htmlähnlich, ich war froh, nach wenigen Stunden wieder entfliehen zu können. Und Sinn (http://prcdv.typepad.com/cdv/2008/03/aufwand.html) machte es für die vielen kleinen Unternehmen dort wohl auch nicht. Vermutung: Irgendwann ist diese Messe eine reine Hardware-Messe (zwei Tage lang), oder es gibt sie gar nicht mehr.

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Jörg Friedrich 9. März 2008 um 12:28

@Michael Finkenthei: Wir Blogger machen das vielleicht so, aber Journalisten? 😉

@ksd: Auf dem Notebook ist es altrosa 😉 auf dem richtigken Bildschirm eher hellbraun.

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Frank Joster 9. März 2008 um 18:58

Hmm, Kolumnentitel und Grafik zeugen von einer gewissen Einfallslosigkeit. Genau das, was dann in der Kolumne der CeBit zurecht vorgeworfen wird.

Vielleicht braucht man ein altes Medium (Zeitung) um überhaupt noch einen Platz zu haben um über ein altes Verkaufskonzept (Messe) zu schreiben. Ansonsten hat die CeBit im \“Mitmachnetz\“ doch gar nicht stattgefunden.

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Harald D. 9. März 2008 um 19:01

Also, ich finde den Kopf gut, und zwar nicht nur den gezeichneten. Und der Hintergrund ist bei mir dunkel-beige. Die Illustration ist okay, versinnbildlich sie doch [email protected]

Ach ja, beinahe hätte ich das Wichtigste vergessen: Auch die Kolumne ist lesenswert!

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Detlef Borchers 10. März 2008 um 8:59

Über eine umgestaltete Messe, die man selbst nicht gesehen hat, zu urteilen: Mutig, mutig. Der Vergleich mit den Web-Konferenzen ist aber wirklich abwegig. Das ist etwa so, wie wenn man die IAA Nutzfahrzeuge mit der BESTUFS vergleichen würde. Wieviel lebendiger, wieviel anregender ist es dort, tüchleinzück und schnief….

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Sachar 10. März 2008 um 9:20

\“Nun sitzen dort die Anzugträger vor immer leerer werdenden Gängen in grauen Messehallen.\“

Das stimmt ja nun nicht. Immerhin gab es dieses Jahr mehr Besucher als im Vorjahr. Und irgendwie habe ich ein flaues Gefühl, wenn jemand die CeBit nur vom Hörensagen kritisiert.

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del 10. März 2008 um 10:01

Für diejenigen, die mit dem @ das Internet und mit dem Kugelschreiber das Schreiben eingefangen sehen, für die macht es auch Sinn, dass Knüwer auf seine Gedanken kommt, indem er \“durchklickt\“. Was für eine Zielgruppe, die hier angsprochen wird?! Wohl dem, der sich da nicht dazurechnen muss. *grins*

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Peter 10. März 2008 um 10:16

Ich hätte \“Knüwer klickt frei\“ noch viel lustiger gefunden 😉 Herzlichen Glückwunsch jedenfalls!

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Chefredakteur 10. März 2008 um 15:16

Ja die Cebit, eine Messe, die Telekommunikation, Hardware, Software präsentiert, und das weltweit mit den meisten Ausstellern und in diesem Jahr 495.000 Besuchern – das ist natürlich etwas anderes als eine kleine Konferenz von Kreativgeistern zum Thema Web. Kann man kaum miteinander vergleichen, Ansatz und Zielrichtung sind vollkommen different. Aber macht nix, Cebit-Bashing ist immer gut und findet begeisterte Leser. Dass die Welt auch heute noch nicht nur aus Internet besteht, dass Menschen telefonieren, dass Unternehmen Daten sammeln, verwalten und nutzen wollen und müssen, und dass der ein oder andere dafür auch einen Server braucht (oder zu brauchen glaubt) – geschenkt. Hauptsache, man kann wieder einmal zeigen, dass man dem Rest von Wirtschaft und Geselschaft meilenweit voraus ist und mit solch profanen Dingen wie Sprachdialogsystemen, CRM-Anwendungen und Storage nix am Hut hat.

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derqn 10. März 2008 um 19:17

Keine Frage: Die digitale Magie, die Messen wie die Cebit vor 5+X Jahren noch ausstrahlten ist weg.

Aber irgendwie scheint sich das Geschäft, um das es dort immer noch geht, doch sehr zu lohnen; jedenfalls mehr als das der Online-Gemeinde und hier der beschworenen StartUps insbesondere.

Denn nur wer – im Gegensatz zur Masse der Online-Firmen – viel umsetzt (und verdient, sprich erfolgreich wirtschaftet), leistet sich den Aufwand eines Messeauftritts; was übrigens irgendwie dynamischer klingt, als der MesseSTAND. Und geht es einem Wirtschaftsmedium wie dem HB nicht im Kern ums Wirtschaften?

Abschließend noch eines: Ich habe eine ganze Menge von Web-basierten/-orientierten Startups in Hannover entdeckt und mit den Leuten gesprochen.
Sorry, aber Recherche vor Ort ist durch nichts zu ersetzen … selbst wenn man dabei Gefahr läuft, sich gleich bei der ersten Print-Kolumne die These zu zerschießen.

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Der Wobbler 12. März 2008 um 21:18

Also für mich zielt der Kugelschreiber direkt auf die offenliegende Halsschlagader…grusel…wer wirft den? Der Verleger?

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Karl Bold 13. März 2008 um 0:59

Lieber Herr Knüwer,

Ihrer Logik zu Folge hätte die Redaktion des Düsseldorfer Handelsblatts auch immer die Düsseldorfer Drupa besichtigen müssen, wo Heidelberg & Co. die neuesten Druckerpressen ausstellen. Was hat denn bitte schön Hardware mit Marketingkonferenzen zu tun? Beim Medienforum NRW in Köln habe ich umgekehrt auch noch nie einen Stand von Bosch Fernsehen a.D., Panasonic oder Sony Broadcast gesehen.

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Thomas Knüwer 13. März 2008 um 8:04

@Karl Bold: Ein guter Vergleich. Nur sind eben die Beziehungsgeflechte in der Web-Branche anders. Die Firmen sind relativ gesehen kleiner und die Nähe zur Technik deutlich höher. Vergleichbar wäre es mit Zeitungsverlagen, wenn an deren Spitze ein gelernter Drucker stünde. Oder wenn die Hauptaufgabe der TV-Sender in der Weiterentwicklung von Fernsehern bestünde.

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